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13.12.2018
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Verkehrsbetriebe

Spanien: DB AG und SNCF machen Renfe den Mittelmeer-Korridor im Güterverkehr streitig
06.12.2018

Von: Lok Report


Der Mittelmeerkorridor Valencia - Barcelona erweckt schon jetzt große Erwartungen an die Bahngesellschaften. Im Norden, von Tarragona bis zur französischen Grenze ist er weitgehend fertig. Die Abschnitte im Süden befinden sich im Bau, und der für Infrastruktur zuständige Minister José Luis Ábalos hat zugesagt, dass der Großteil der Strecke bis 2021 in Betrieb gehen wird. Es wird prognostiziert, dass sich am südlichen Ende in etwas mehr als einem Jahr auch die Weiterführung von Valencia und Alicante nach Murcia und Cartagena fertig sein wird, um später Almería und Algeciras zu erreichen.


Industrielle Hersteller, Produzenten im Agrar- und Lebensmittelsektor, Hafen- und Logistikunternehmen sowie Importeure und Exporteure erwarten, dass sich die Infrastruktur, die Transportkosten und die derzeitige Abhängigkeit vom Lkw zum Transport nach Mittel- und Nordeuropa verbessern werden. Ford España, so zählt die Zeitung El Confidencial auf, könnte seine Logistikkosten um 10% senken, indem die Firma ihre Autos und Materialien per Bahn fährt.

 

Der Mittelmeer-Korridor wird dem Schienengüterverkehr somit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, den er derzeit nicht hat. Der Marktanteil erreicht derzeit nur noch knapp 5%, wie der jüngste Bericht der Nationalen Kommission für Märkte und Wettbewerb (CNMC) zeigt. Und dieser Wettbewerbsvorteil wird durch den Ausbau in Normalspur erreicht, die mit dem europäischen Netz kompatibel ist.

 

In dem Bewusstsein, dass sich im spanischen Schienengüterverkehr ein Chancenfenster öffnet, haben sich die französischen und deutschen Staatsriesen (SNCF und Deutsche Bahn) positioniert. Vor mehr als einem Jahrzehnt übernahm das deutsche Unternehmen die Kontrolle über die spanische Gesellschaft Transfesa und ist in der Beteiligung auf 70% des Aktienkapitals gewachsen. Ebenso hat die SNFC im vergangenen Sommer die vollständige Übernahme der Comsa Rail Transport, der Eisenbahnabteilung der katalanischen Comsa, abgeschlossen. Ferrovial, Acciona oder Logitren arbeiten ebenfalls daran, eine Nische zu finden. Nicht umsonst zögert Transfesa beispielsweise nicht, seinen Kunden "das größte Transportnetz Europas, unterstützt durch die starke Allianz mit DB Cargo", anzubieten.

 

Für Renfe Mercancías könnte es hingegen schwierig werden, unter den Bedingungen des neuen Mittelmeerkorridors zu konkurrieren, wenn nicht genügend Rollmaterial in internationaler Spur vorhanden ist, dessen Bestellung sich verzögert hat. Mit anderen Worten, Frankreich und Deutschland haben derzeit mehr Möglichkeiten, den Anstieg des Güterverkehrs durch die neue Eisenbahninfrastruktur einzufangen als die spanische Aktiengesellschaft.