TrackNews
13.05.2026
drucken  

Verkehrsbetriebe

Ostafrika verlegt Schienen und China bleibt im Boot
27.03.2026

 


Ostafrika erlebt einen neuen Schienen-Boom und der Hafen von Mombasa ist das wirtschaftliche Herzstück – doch das Hinterland bleibt schwer erreichbar.


Eine Eisenbahn soll das ändern: Kenia hat den Bau der Normalspur-Eisenbahn SGR (Standard Gauge Railway) von Naivasha bis zur ugandischen Grenze bei Malaba wieder aufgenommen, nachdem das Projekt sechs Jahre lang wegen ausgetrockneter chinesischer Kreditlinien brach gelegen hatte.

Die Strecke ist das Kernstück eines regionalen Handelskorridors, der Uganda, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan mit dem Indischen Ozean verbinden soll.

Rund 70 % der 7,37 Mio. Tonnen Transitfracht, die jährlich den Hafen von Mombasa passieren, sind für den Binnenstaat Uganda bestimmt oder kommen von dort – über die Straße. Eine fertiggestellte SGR-Verbindung bis Malaba würde die Frachtkosten nach Berechnungen der kenianischen Regierung um rund 35 % senken und die Reisezeit zwischen Kampala und Nairobi von 14 auf etwa vier Stunden verkürzen.

Dass das bestehende SGR-Teilstück zwischen Mombasa und Nairobi wirtschaftlich trägt, belegen die Betriebszahlen: Die Frachteinnahmen übersteigen monatlich knapp 9 Mio. Euro, die Passagiereinnahmen sind um 40 % gestiegen und lagen allein im Dezember 2025 bei rund 4 Mio. Euro.

Nach dem Rückzug chinesischer Kredite im Rahmen der Belt and Road Initiative stagnierte das Projekt über sechs Jahre und endet bis heute in Naivasha, rund 350 km vor der ugandischen Grenze. Der Weiterbau erfolgt erneut mit dem chinesischen Unternehmen CCCC, diesmal jedoch ohne neue Staatskredite: Finanziert wird über eine „Revenue Securitisation“, bei der Einnahmen der bestehenden Frachtlinie als Sicherheit dienen. Uganda finanziert den Ausbau teilweise über den islamischen Kapitalmarkt: Für die 273 km lange Strecke Malaba–Kampala ist ein Sovereign Sukuk über 405 Mio. Euro geplant, bei dem Investoren an Projekterträgen beteiligt werden.

Uganda plant parallel Verbindungen nach Kenia und Tansania, was Kalkül ist: Kampala will seine neue SGR gezielt mit dem tansanischen Netz und dem Hafen Daressalam verknüpfen, da dieser Korridor für den Abtransport von Gold, Kupfer und Eisenerz aus dem Süden und Südwesten günstiger sein könnte als der Weg über Mombasa.

Während Kenia im Westen des Landes den SGR-Ausbau vorantreibt, verfolgt es im Norden eine zweite, noch weitreichendere Schienenambition: Den Lamu-Port-South-Sudan-Ethiopia-Transport-Corridor (LAPSSET), das größte und ambitionierteste Infrastrukturprojekt Ostafrikas. Eine 3.000 Kilometer lange Standardspurstrecke soll den baulich fertiggestellten, aber operativ noch unvollständigen Hafen von Lamu mit dem Landesinneren verbinden und sich in drei Äste aufteilen: nach Addis Abeba, nach Juba im Südsudan und nach Nairobi.

Der wichtigste potenzielle Nutzer des LAPSSET-Korridors ist Äthiopien. Das Land mit über 130 Millionen Einwohnern verlor seinen Meereszugang mit der Unabhängigkeit Eritreas in den frühen 1990er Jahren und zahlt seither jährlich rund zwei Milliarden Dollar an Hafen- und Liegegebühren im Hafen von Djibouti. Lamu wäre für Äthiopien eine deutlich günstigere Alternative.

Der kenianische Northern Corridor soll Mombasa mit Uganda, Ruanda, der DR Kongo und Südsudan verbinden. Der tansanische Central Corridor führt von Daressalam westwärts in dieselben Zielländer. Beide Systeme buhlen um dieselben Kunden, bauen deshalb parallel statt gemeinsam.